Kolleginnen und Kollegen, wir alle, die mindestens gelegentlich die Berliner S-Bahn benutzen, spüren nicht erst seit langem Warten in eisiger Kälte auf einem S-Bahnhof, dass bei diesem Unternehmen etwas "faul" ist.
Bekannt ist beispielsweise,
- dass die Baureihe 481, auf die die S-Bahn einst so stolz war, erhebliche Materialfehler auswies, die nicht zuletzt auf den ausgeübten Kostendruck der DB auf die Hersteller der Wagen zurückzuführen ist (z.B. anfällige Türhalterungen);
- dass die Bremsen der Wagen nicht ausreichend dimensioniert waren, sodass - insbesondere auf Vorortstrecken lästig - die Züge nur erheblich unter der Höchstgeschwindigkeit gefahren werden dürfen (S-Bahn = Schleich-Bahn);
- dass die Belegschaft von 2005 bis heute halbiert wurde;
- dass z.B. 2009 von 232 Mio. Euro Beihilfemittel vom Land Berlin 87 Mio. Euro als Gewinn an die Bahn AG als Mutterkonzern abgeführt wurden (zu sämtlichen Spiegelstrichen siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/S-Bahn_Berlin).
Da Politik und Management offensichtlich nicht in der Lage sind, die Situation angemessen beherrschbar zu machen, soll ein "Berliner S-Bahntisch" gegründet werden, um einen Druck auf Verantwortliche einzuleiten. Eingeladen sind alle, die möchten, dass dieses einst vorbildliche Verkehrssystem wieder im Interesse ihrer Benutzer funktioniert, und nicht für fiskalische Ambitionen.
Treffpunkt am 8.3. um 19 Uhr im Haus der Demokratie & Menschenrechte (Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin).
ich hatte am gestrigen Abend die Ehre, dem Gründungsbeschluss zum Berliner S-Bahn-Tisch beizuwohnen! Es waren mehr als 100 Leute anwesend, davon saßen auf dem Podium: Verkehrexperte Winfrid Wolf, ein Betriebsratsmitglied der S-Bahn, ein Vertreter der Fahrgastinitiative ProBahn, Jörg Kronberg (Gewerkschaftssekretär der EVG 9 und Rouzbeh Taheri (Berliner Krisenbündnis). Moderiert wurde von Lucy Redler. Inhaltlich ist wenig zu berichten. Auf dem Podium und bei den Diskutierenden gab es zwei Lager: Die einen wollten, dass die DB nicht aus dem Vertrag entlassen wird, damit zum angerichteten Schaden nicht weitere Millionen Abfindung fällig werden, andere schlugen die Gründung einer gGmbH ohne die DB vor. Einigkeit bestand darin, dass möglichst schnell ein Kontrollgremium eingerichtet wird, welches der S-Bahn verschärft auf die Finger sieht. Ob der S-Bahn-Tisch das leisten kann? Jedenfalls wird er sich am Donnerstag, den 17. März um 18.00 Uhr in der alten Feuerwache, Axel-Springer-Straße 40/41, Seminarraum 1, erstmalig treffen. Interessenten sind dringend eingeladen teil zu nehmen. Da ich selber verhindert bin, bitte ich die Lesenden zu prüfen, ob sie nicht diesen Termin wahrnehmen und für alle hier im Forum davon berichten können. Die waren meine Eindrücke von dem Abend. Ein ausfühlicher Bericht aus ND ist beigefügt (Anhang).
Möglicherweise ist es ja vielleicht sogar an der Zeit, einen Berliner Krankenhaus-Tisch zu gründen?
Fragt Fritz Lakritz
P.S.: Nachträglich sind mir noch 5 Punkte eingefallen, die ich gern noch mitteilen will: 1. ProBahn teilte mit, dass die Verträge zwischen Senat und DB geheim seien. 2. S-Bahn-Betriebsrat teilte mit, dass seine Firma seit 2009 16 verschiedene Geschäftsführer hatte. 3. Winfrid Wolf teilte mit, dass die S-Bahn in den 20er und 30er wesentlich mehr Personen befördert hat als mit großen Nöten heutzutage. 4. Der Gewerkschaftssekretär von der EVG hielt sich sehr bedeckt. Er betonte lediglich, dass die Gewerkschaft ausschließlich die Interessen der Beschäftigten zu vertreten habe. 5. Es wurde eine Resolution für die streikenden Lokführer verabschiedet (s. Anhang).
Nachfolge-Termin des S-Bahn-Tisches ist Donnerstag, der 31. März. Interessenten sind dringend um Teilnahme gebeten. (Einladung und Tagesordnung unter 3.).
Inzwischen liegen 2 interessante Arbeiten vor, die hier abgerufen werden können: